Konzept

Der städtische Raum wird zusehends kommerzialisiert und leblos. Doch mitten in München entsteht jetzt ein frei zugänglicher Trimm-Dich-Pfad. Hierfür werden aber keine Fitnessgeräte aufgestellt, sondern bestehende Situation radikal umgedeutet – über Mülleimer kann man prima Bocksprünge machen und während die Ampel rot ist, heißt es Hampelmann-Hüpfen. Schilder weisen auf zum Teil abstruse Übungen hin. Das irritiert den Betrachter, setzt womöglich ein Nachdenken über den öffentlichen Freiraum in Gang oder motiviert vielleicht tatsächlich zu körperlichem Aktivismus.

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Foto links: Süddeutsche Zeitung

Zur Olympiade 1972 in München erlebte die Trimm-dich–Bewegung ihren Höhepunkt: Überall in Deutschland, vor allem in Naherholungsgebieten und nahen Waldstücken, entstanden die gleichnamigen Pfade. Dort waren die typisch naturnahen Sportgeräte aufgestellt, an denen man sich entlanghangelte, über die man sprang oder sonst wie trainierte – je fünfmal die Familienmenschen, je zehnmal die wahren Sportler. Markant waren insbesondere die Übungsschilder im charakteristischen Siebzigerjahre Design.
Die meisten Trimm-Dich-Pfade sind mittlerweile verfallen. Wer sich heute in Form bringen möchte, der geht ins Fitnessstudio, vollklimatisiert, 79.90 Euro im Monat.

In unseren Städten wird es zunehmend öde. Geschäfte wandern in Shopping Malls auf der Grünen Wiese. Sogar Trendsportarten, die ursprünglich mitten in der Stadt ausgeübt wurden, etwa das Skateboardfahren, sind jetzt ins Exil in Hallen und an spezielle Plätze verbannt. Aber: Wir sind zurück und trimmen uns jetzt mitten drin!


Foto: Michael McKee